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Starke Wurzeln geben

Vier Fähigkeiten, die Kinder besonders gut in der Natur entwickeln.


Natur ist für Kinder so wesentlich wie gute Ernährung, denn in der Natur finden sie das, was sie brauchen, um ihr Leben selbstwirksam zu gestalten. Wer schon einmal die leuchtenden Augen von Kindern gesehen hat, wenn sie mit erdigen Händen und schmutzigen Knien vom Spiel an einem Waldbach zurückkommen, der fühlt sich sofort an Pippi Langstrumpf oder die Kinder von Bullerbü erinnert. Und nicht nur in Astrid Lindgrens Büchern gewinnen Kinder durch die Nähe zu Pflanzen und Tieren unmittelbare Lebenskraft, werden einfühlsam, kreativ und sprühen vor Lebensfreude. Es liegt bei uns, ob wir unsere Kinder zu Stubenkindern erziehen oder ihnen Natur zugänglich machen. Wann haben Sie zum letzten Mal gemeinsam am Feuer gesessen, Stockbrot gegrillt und den Duft von Birkenholz oder den beißendem Rauch in der Nase gehabt? Wenn sich die Flammen knisternd durch das Holz winden, rücken wir unwillkürlich näher zusammen. Ein Feuer schenkt Wärme und fördert die Gemeinschaft. Gespräche zwischen uns Eltern und unseren Kindern werden mit zunehmender Glut tiefer und persönlicher.

Vier Fähigkeiten sind es, die Kinder im natürlichen Umfeld besonders gut entwickeln: Unmittelbarkeit, Freiheit, Widerständigkeit, Verbundenheit.


Was heißt das konkret?


Unmittelbare, direkte sinnliche Erfahrungen werden im Langzeitgedächtnis abgespeichert und viel besser erinnert. Lernen bekommt spielerisch eine ganz andere Qualität. Freiheit bedeutet einen Gestaltungsspielraum zu bekommen. Anders als am Spielplatz gibt es im Wald oder am Bachufer keine TÜV Plaketten. Für Kinder sind Zweige, Stöcke oder Büsche reizvoller, um ein kleines Lager zu bauen und fördern nebenbei die Kreativität. Natur bietet allerdings auch Grenzen und die Erfahrung, dass nicht alles machbar ist. Das beginnt beim Wetter und endet bei der Beobachtung von Tieren, die sich nicht auf Knopfdruck zeigen. Widerständigkeiten sind wichtig für innerliches Wachstum. Lebensmut entwickelt sich daraus, Krisen zu bewältigen und das geht eben nicht immer spielend leicht. Die vierte Fähigkeit - die Verbundenheit - ist die Erfahrung von Sicherheit und Geborgenheit bei Menschen, in der Familie, aber eben auch in der Natur. Sich als Teil des Ganzen zu erleben und zu merken, ich bin mit Tieren verbunden oder für sie verantwortlich hilft einem Kind, sich gesund und psychisch stabil zu entwickeln.


Persönlichkeit und kreatives Potential entdecken


Wer das weiß, wird im Draußensein in der Natur viel mehr als eine Form von Zeitvertreib sehen. Der kann den persönlichkeitsstärkenden Entwicklungsraum erkennen, der eine erhebliche Wirkung auf das emotionale und kreative Potenzial unserer Kinder hat.


Der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi empfahl:

„Dein Kind sei so frei es immer kann. Lass es gehen und hören, finden und fallen, aufstehen und irren.“

Und tatsächlich ähneln Kinder, die sich ausprobieren und auf eigene Faust die Natur erkunden dürfen einem Baum mit tiefen Wurzeln. Sie widerstehen Krisen, schwanken zwar bei Gegenwind, werden aber nicht gleich umfallen, wenn es anders als erwartet läuft. Sie sind an ihrer Umwelt interessiert, ohne das Gespür für eigene Bedürfnisse zu verlieren. Ihre Selbststeuerung bleibt auch bei äußerer Ablenkung erhalten. Sie ruhen in sich. Ihr großes Selbstwertgefühl hilft ihnen, mit anderen klarzukommen, ohne diese abzuwerten oder zu überhöhen. Wir können sagen, dass Vitamin N(natur) hilft, Kinder stark im Leben zu machen. Wo Kindern ein Zugang zur Natur im frühen Kindesalter ermöglicht wird, entsteht die Grundlage für eine gute persönliche Entwicklung und für eine positive Einstellung zu unserer Umwelt. Geben wir also den Kindern nicht mehr Wissen und Informationen, sondern mehr Gelegenheiten zum Staunen und Be-Greifen. Das Beste, was wir dafür tun können: begleiten wir unsere Kinder und machen wir uns selbst auf den Weg. Deshalb: einfach raus!


Raus und machen…

  1. Lieblingsplatz finden: Hatten Sie als Kind einen Lieblingsplatz oder -ort? Können Sie diesen noch finden? Dann suchen Sie Ihren Lieblingsplatz einmal ganz bewusst auf. Setzen Sie sich unter den Kletterbaum, an den Rand des Sandkastens oder an die Flussböschung. Überlegen Sie sich, welche Träume Sie als Kind dort hatten und wie sich Ihr Leben bis hierher entwickelt hat. Geben Sie Ihrem Kind den Freiraum und den Impuls, einen Lieblingsplatz zu entdecken.

  2. Barfußpfad anlegen: Ausgeglichene, entspannte und mit sich selbst zufriedene Erwachsene sind eine Wohltat für Kinder. Dazu müssen Sie sich selbst spüren. Bauen Sie doch gemeinsam mit Ihrem Kind einen Naturparcours. Auf die Socken - fertig - los! Beginnen Sie damit, den Boden unter Ihren Füßen zu spüren. Damit das mehr Spaß macht, legen Sie sich auf einer ebenen Fläche einige Quadrate, begrenzt mit kleinen Zweigen an. Füllen Sie die Quadrate wahlweise mit Tannenzapfen, kleinen Moosbüscheln, Gras oder Blättern. Laufen Sie tastend Ihren eigenen Barfußpfad ab und versuchen Sie danach, mit geschlossenen Augen den Weg zu gehen und dabei die Balance zu behalten.

  3. Sommerfeeling - Kleckerburg bauen: Bauen Sie am Strand oder Seeufer eine Kleckerburg. Einfach das Sand-Wasser- Gemisch aus der Hand träufeln lassen, so lange bis ein kleckerartiger Sandturm entsteht. Egal ob mit oder ohne Kinder – bauen Sie Ihre eigenen Sandkunstwerke! Sie werden staunen, wie entspannend und gleichzeitig anregend das sein kann.

Text: Beate Hofmann, Pädagogin, Autorin und Resilienz-Coach, Mutter von drei Kindern, zwei Enkelkinder, www.beatehofmann.de

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